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Ninja Guidance Album Review:

In Germany
Review: Der Name Wu-Tang ist inzwischen schon ein eigenes Sub-Genre im HipHop. Denn der originale Clan warf unzählige Sprösslinge, welche wiederum Ableger in die Welt setzten, was zu einem inzwischen unüberschaubaren Netz aus Connections, Affiliations und Gruppenzugehörigkeiten geführt hat. Und von dieser (weltweiten) Invasion der sogenannent Killa Beez blieb natürlich auch die Westcoast nicht verschont. Schnell finden sich mit den Black Knights und Northstar der Kern der Westcoast Killa Beez. Wie sehr 71Raw, um die es hier ja eigentlich geht, wirklich in den riesigen Wu-Stammbaum gehören, spielt hier dann auch gar keine Rolle mehr. Bezeichnend sind viel mehr die Features von Beretta 9, Mitglied der legendären Killarmy, Black Knights, Christ Bearer, eine Hälfte der Northstar-Formation und Solomon Childs. Selbst wenn man absolut keine Ahnung hat wer denn 71Raw nun sind, mit diesen Angaben hat man trotzdem schon grob umrissen, worum es hier geht.

"Ninja Guidance", der treffliche Titel des hier vorliegenden Albums, sollte dann alle verbliebenen Unklarheiten unter einen so riesigen Scheinwerfer stellen, dass es nur noch einem taubstummen Blinden verschlossen bleibt, was hier ins Haus steht. 71Raw selbst, das sind Anthai Da Protagonist, Martial Arts und Broken Tongue, ein Dreiergespann aus Westminster, Orange County, California, die sich dem "Raw HipHop" verschrieben haben, wobei sich der Group-Name aus ihrem Area-Code ableitet. Wer immer noch nicht genau weiß, worum es denn hier jetzt geht: Gehaltvolle Beats, fliegende Schwerter und Fäuste, und natürlich eine Unzahl an alten Kung Fu-Film-Samples - kurz: Wu-Tang Sound. Als Großgeneral der Armee aus Drums, Samples und sämtlichen Instrumenten schickt sich Anthai an, diesen Feldzug musikalisch anzuführen. Die einzige Ausnahme bildet hier der allererste Track, der, wie könnte es bei dem Titel "Martial Art" anders sein, von Martial Arts produziert ist und der sämtliche Truppen gleich von Null auf Hundert mobilisiert, um ab Sekunde eins den Sieg im Feldzug um die Gunst der Hörerschaft zu sichern. Schwerfällige Streicher, Kung-Fu-Sample und knackige Drums, wie soll das nicht zum Erfolg an allen Fronten geraten? Der (Wu-)Sound, der sich heutzutage bis ins Unauffindbare rar gemacht hat, wird hier mit Leib und Seele zelebriert. Daran wird auch in "Revenge" nichts geändert, und während der Titel (wie so viele auf diesem Album) fröhliche Erwartungen weckt, laden sich 71Raw Beretta 9 und Christ Bearer ein. "I move like a ninja, the mad avenger / My ninja stars never hit walls, cause it hits ya / The premonition, Anthai, I'm the revenge / Backflips like Vega, I'm crawling on the fence / Strike with the slidekick, I'm one of the nicest / Spit needles, pierce through your iris / Knock the wind out of your system, from our wisdom / Retaliation, you got enemies then list 'em". Auch wenn sich Anthai in "Bloodline" eines bekannten und unlängst erst von Krohme verwendeten Beats bedient, passt die erschaffene Atmosphäre doch perfekt ins Gesamtbild. "The beast is loose, mankind gettin abused" heißt es im Refrain. "Camouflage, large men armed with weapons / Commence the warfare, 50 perent half-steppin / Humanity's about to get shafted to madness / Slaves being drafted like basket". Die nächste Kammer im Rundgang durch dieses Shaolin-Kloster ist die des "Last Fight", für die sich zwei weitere Adepte in Form der Black Knights ins Geschehen werfen. Gekleidet in musikalisch perfekt gewebte Kutten und unterlegt mit den unverkennbaren und allgegenwärtigen Samples alter Kung Fu-Filme wird auch dieser Track zum reinen Hörvergnügen. Doch das lässt sich natürlich noch überbieten. Schon beim Titel "Drunken Master" ergibt sich eine gewissen Vorfreude. Doch wenn dann die langsam wiegenden Drums einsetzen und die Bühne freigeben wird für eine Kulisse, die einen sofort neben Jackie Chan in schlingernde Kampfszenen wirft, stehen dem Wu-Tang Jünger die Tränen in den Augen. Denn auch bei 71Raw geht es ähnlich zu wie seinerzeit bei Jackie, hier wird alles mit Prozenten gekippt, um "men in black masks" und Ähnliche das Fürchten zu lehren. Der Faden an phänomenalen Tracks reißt hier jedoch noch nicht ab. Denn nun folgt "M.C. Classic", in dem Anthai eine wunderbare Panflöte auf den Plan ruft, und dazu eben mal Hell Razah für die Hook sampled. Das Ergebnis ist ein facettenreicher, fast schwermütiger Track, an dem es nicht das Geringste zu beanstanden gibt. Auch wenn sich das Album vorerst aus dem Shaolin-Kloster entfernt, erfolgt kein großartiger Bruch. "Mask Men" bedient sich voluminöser Fanfaren, die eher an einen Kracher der Killarmy erinnern, weswegen auch Beretta 9 hier vorzüglich ins Bild passt. Abgerechnet mit allen üblichen Verdächtigen (Fakes, Politiker, Musikindustrie) wird in "Fuck Y'All". "When the shit goes down like B-Real from Cypress Hill / Bitch faggot ass better know the fuckin' deal". Gut zu wissen. Mithilfe Christ Bearer's markanter Stimme nistet sich das nun folgende "June 21st" ohne Probleme im Gedächtnis des Hörers ein, während hier ausnahmsweise von gewaltsamer Kampfsportverbalakrobatik abgewichen wird und dafür die eigene Heimat, in der warmen Zeit der Sonnenwende, gefeiert wird. "Love is love, we represent for all people / Shorties in a mini-skirt with a wet see-through". In seiner entspanntesten Phase schieben 71Raw nun einen recht unauffälligen Track ein, der sich jedoch im Fluss des Albums alles andere als negativ auswirkt. Ein Interlude zu Ende des Track bildet die Überleitung zur Hommage an untreue "bitches", die sich "You've Been Bad" nennt: "Ayo, my homegirl, ready to slap the fuck out of your face / My family don't like you, get the fuck out of my place" bildet den Auftakt eines verbitterten Berichts über unglücklich geendete Beziehungen. Nun wird nochmals Altbekanntes neu inszeniert, und nach "Life Is Hard" wird in "Sun, Moon & Stars" ein klein wenig philosophiert. Die Meditationsstunde findet ihren Höhepunkt im flötendominierten "Two Places @ One Time". Von pantheistischen Andeutungen bis zum alltäglichen Stress bieten die drei Emcees hier wieder ein breites Spektrum. Nachdem sich das Album nun eine lange Zeit etwas gemächlicher gegeben hat, kehrt man gegen Ende wieder dahin zurück, wo die Reise angefangen hat. Begonnen wird dies mit dem Voice-Sample-versetzen "Lace 'Em", das leider etwas kurz gerät, dem sonst zum einwandfreien Kopfnicker jedoch nichts fehlt. Hiermit ist das Album bei "71war", dem wohl düstersten Song der Platte, was in großartiger Ausführung mit einem Aufgebot an Streichern erzielt wird. "Raw Fish" funktioniert nach ähnlichem Prinzip und kann zudem von einem hervorragendem Chorus profitieren. Damit wäre das Album auch bei seinem letzten Track, für den es zurück in die Martial Arts-Gefilde geht. "The Master & The Student" ist ein weiteres Meisterwerk aus Anthai's Schmiede, auf dem auch Raubein Solomon Childs und die Hälfte der Black Knights, Monk, eine gute Figur abgeben. Mit diesem Hörgenuss entlassen uns die Ninjaz von 71Raw aus ihrem knapp 70-minütigen Trip.

Ein Jammer, dass dieses Album nicht die ihm angemessene Beachtung finden wird. Denn was 71Raw hier auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen, und könnte auch im direkten Vergleich mit sämtlichen Wu-Releases der letzten Zeit glänzen, vor allem im Bezug auf den hier gebotenen Sound. So jedoch wird "Ninja Guidance" ein Geheimtipp bleiben. Jeder, der sich selbst reinen Gewissens einen guten Geschmack attestieren kann, darf hier auch bedenkenlos zugreifen!

Wertung: (4,5 von 5 Kronen)



Asiance Magazine Interview 1/1/07

Interview on Anthai from Calidays 2006

Wuforever.com Interview with Anthai of 71RAW

















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